Shelly 1 Mini Gen3 in Home Assistant einbinden – Unterputzschalter nachrüsten ohne Umbau

Shelly 1 Mini Gen3 in Home Assistant einbinden – Unterputzschalter nachrüsten ohne Umbau
Foto: Jakub Zerdzicki / Pexels

Wer bestehende Lichtschalter smart machen will, ohne die komplette Elektroinstallation anzufassen, steht oft vor einer Herausforderung: Die meisten Unterputzdosen sind eng, der Platz ist knapp, und für einen klassischen Smarthome-Aktor reicht es hinten und vorne nicht. Genau hier kommt der Shelly 1 Mini Gen3 ins Spiel – ein winziger WLAN-Relaisschalter, der in fast jede Unterputzdose passt und sich nahtlos in Home Assistant einbinden lässt. Was das Ganze kostet, wie du ihn anschließt und wie die Integration funktioniert, erfährst du hier.

Was ist der Shelly 1 Mini Gen3?

Der Shelly 1 Mini Gen3 ist der bisher kompakteste Ein-Kanal-Relaisschalter von Allterco Robotics. Mit Maßen von nur 39 × 36 × 16 mm ist er tatsächlich so klein, dass er in nahezu jede handelsübliche Unterputzdose mit ein bisschen Geschick Platz findet – selbst dann, wenn dort bereits die originale Verdrahtung liegt.

Technisch bringt der Mini Gen3 mit:

  • WLAN 2,4 GHz (802.11 b/g/n)
  • Bluetooth Low Energy (BLE) für die Ersteinrichtung
  • Schaltleistung bis 8 A / 1800 W
  • Betriebsspannung 110–240 V AC
  • Unterstützung für Taster und Schalter
  • Optional: Nullleiter-freier Betrieb möglich (mit Einschränkungen)

Das Gerät läuft mit der Shelly-eigenen Firmware und unterstützt nativ MQTT sowie eine lokale REST-API – beides ideal für Home Assistant.

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Voraussetzungen und wichtige Hinweise zur Installation

Bevor du irgendetwas anfasst: Arbeiten an der 230-V-Installation müssen von einer Elektrofachkraft durchgeführt oder zumindest abgenommen werden. Wenn du dir bei der Verdrahtung nicht sicher bist, hol dir jemanden dazu. Das ist kein Disclaimer-Pflichtprogramm, sondern schlicht Vernunft.

Was du für die Installation brauchst:

  • Shelly 1 Mini Gen3
  • Einen vorhandenen Lichtschalter mit zugänglicher Unterputzdose
  • Einen Phasenprüfer oder Multimeter
  • Isolierband oder Wagoklemmen (empfohlen)
  • Dein Smartphone für die Ersteinrichtung
  • Ein laufendes Home Assistant System

Nullleiter vorhanden oder nicht?

Das ist die entscheidende Frage vor dem Kauf. Schau in der Unterputzdose nach: Liegt dort ein blauer Neutralleiter (N), hast du die komfortablere Variante und kannst den Shelly im Standard-Modus betreiben. Fehlt der Nullleiter, läuft der Shelly über den sogenannten Bypass-Modus – dabei fließt ein minimaler Reststrom durch die Last, was bei manchen LEDs zu Flackern führen kann.

Verdrahtung: So schließt du den Shelly 1 Mini Gen3 an

Der Shelly 1 Mini Gen3 hat vier Anschlussklemmen:

  • L – Phase (230 V)
  • N – Neutralleiter (falls vorhanden)
  • I – Eingang für den Taster/Schalter
  • O – Ausgang zur Last (Lampe)

In der klassischen Schalterverdrahtung liegt an der Unterputzdose eine Schaltphase an. Diese verbindest du mit dem Eingang I. Die Phase L bekommt die durchgehende 230-V-Phase, der Ausgang O geht weiter zur Lampe. Den Nullleiter – falls vorhanden – klemmst du an N.

Nach dem Einbau schraubst du den Schalter wieder auf die Dose, und schon kann es mit der Software-Einrichtung weitergehen.

Ersteinrichtung über die Shelly-App

Für die initiale Konfiguration empfiehlt sich die offizielle Shelly Smart Control App (iOS / Android). Nach dem ersten Einschalten öffnet der Mini Gen3 automatisch einen eigenen WLAN-Hotspot. Die App findet ihn per Bluetooth oder WLAN und führt dich durch die Einrichtung.

WLAN-Daten hinterlegen

Im App-Wizard gibst du deine WLAN-SSID und das Passwort ein. Danach verbindet sich der Shelly mit deinem Heimnetz und bekommt eine lokale IP-Adresse – am besten gleich im Router eine feste IP vergeben, damit sie sich nicht ändert.

Eingangstyp konfigurieren

In den Shelly-Einstellungen unter Input legst du fest, ob du einen Taster (Momentary) oder einen klassischen Wippschalter (Toggle) verwendest. Das ist wichtig, damit die Schaltlogik stimmt – bei einem Taster soll das Licht toggeln, beim Wippschalter folgt es der Schalterstellung.

Shelly 1 Mini Gen3 in Home Assistant einbinden

Home Assistant unterstützt Shelly-Geräte offiziell über die Shelly-Integration, die seit einigen Versionen direkt im Core enthalten ist. Du brauchst keine HACS-Erweiterung und keinen MQTT-Broker, wenn du auf die native Integration setzt.

Automatische Erkennung

In den meisten Fällen erkennt Home Assistant den Shelly automatisch, sobald er im gleichen Netzwerk hängt. Du bekommst eine Benachrichtigung unter Einstellungen → Geräte & Dienste → Entdeckt. Einfach auf Konfigurieren klicken, bestätigen – fertig.

Manuelle Einbindung

Falls die automatische Erkennung ausbleibt:

  • Gehe zu Einstellungen → Geräte & Dienste → Integration hinzufügen
  • Suche nach Shelly
  • Gib die lokale IP-Adresse des Geräts ein
  • Home Assistant legt automatisch eine switch-Entität an

Was Home Assistant erkennt

Nach der Integration stehen dir folgende Entitäten zur Verfügung:

  • switch.shelly_1_mini_[id] – der eigentliche Schaltaktor
  • Energiemessung (Leistungsaufnahme in Watt, sofern Last angeschlossen)
  • Geräteinformationen (Firmware-Version, RSSI, Uptime)

Automatisierungen und Szenen einrichten

Jetzt wird es interessant. Denn mit dem Shelly in Home Assistant kannst du weit mehr machen als nur ein Licht ein- und ausschalten.

Beispiele für sinnvolle Automatisierungen

  • Zeitgesteuerte Beleuchtung: Licht automatisch bei Sonnenuntergang einschalten und nach einer definierten Zeit wieder ausschalten
  • Anwesenheitserkennung: Licht nur einschalten, wenn jemand zuhause ist
  • Szenen: Den Schalter als Trigger für eine Lichtstimmung nutzen – kurz drücken = normales Licht, lang drücken = Filmabend-Szene
  • Energiemonitoring: Benachrichtigung, wenn ein Gerät länger als X Stunden läuft

Langer Tastendruck erkennen

Ein praktisches Feature: Der Shelly 1 Mini Gen3 kann zwischen kurzem und langem Tastendruck unterscheiden. In Home Assistant lässt sich das über das Ereignis shelly.click auswerten. So bekommt ein einzelner Taster mehrere Funktionen – ohne zusätzliche Hardware.

Im Automatisierungs-Editor sieht der Trigger dann so aus:

  • Plattform: Ereignis
  • Ereignistyp: shelly.click
  • Ereignisdaten: click_type: single oder double oder long

MQTT als Alternative zur nativen Integration

Wer mehr Kontrolle oder kürzere Reaktionszeiten möchte, kann den Shelly statt über die native Integration auch über MQTT anbinden. Dazu aktivierst du in der Shelly-Weboberfläche (einfach die IP im Browser öffnen) unter Settings → MQTT den MQTT-Client und trägst die Adresse deines Mosquitto-Brokers ein.

Home Assistant empfängt dann alle Statusmeldungen über MQTT und kann Befehle senden. Der Vorteil: Die Kommunikation ist lokal, schnell und unabhängig von der Shelly-Cloud. Der Nachteil: Die Konfiguration ist etwas aufwendiger, und du brauchst einen laufenden MQTT-Broker.

Tipps für den Alltag

  • Firmware aktuell halten: Shelly veröffentlicht regelmäßig Updates. Die Shelly-Integration in Home Assistant zeigt verfügbare Updates direkt an.
  • Cloud deaktivieren: Wenn du den Shelly ausschließlich lokal nutzt, kannst du in den Einstellungen die Cloud-Verbindung deaktivieren. Das verbessert den Datenschutz und macht das System unabhängiger.
  • Feste IP vergeben: Entweder per DHCP-Reservation im Router oder direkt auf dem Gerät unter Network → Static IP. Verhindert, dass Home Assistant die Integration verliert, wenn die IP wechselt.
  • Gerät benennen: In Home Assistant einen sprechenden Namen vergeben – zum Beispiel Küche Deckenlampe statt des generischen Standardnamens. Erleichtert die Arbeit mit Automatisierungen enorm.
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